• Reise zum Urknall – die Entwicklung des Universums im Licht der Teilchen- und Kernphysik

    Einen unvergesslichen und höchst spannenden Abend verlebte ich mit einer Gruppe bei der GSI – Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt.

    Wir konnten uns bei einem spannenden Vortrag und anschließender Führung durch die beeindruckenden Hallen ein Bild der weltweit einmaligen Beschleunigeranlage für Ionenstrahlen machen. Dort lassen sich Ionen aller natürlich vorkommenden Elemente – vom Wasserstoff bis zum Uran – in jedem Ladungszustand präparieren und auf nahezu Lichtgeschwindigkeit bringen.


    Durch den Beschuss auf Materialproben mit schnellen Ionenstrahlen lässt sich der Aufbau der Materie studieren. Das Forschungsprogramm bei der GSI erstreckt sich von Teilchen-, Kern- und Atomphysik über Plasma- und Materialforschung bis hin zu Biophysik und Tumortherapie.

    Ein Highlight der Führung war die Besichtigung des Kontrollzentrums, dem Herz der GSI, von dem sämtliche Experimente und Prozesse angestoßen, gesteuert und überwacht werden. Ein wenig kam man sich vor, als sei man im Kontrollzentrum der NASA.

    Anhang 38


    Wissenschaftlern der GSI gelang es, in Experimenten an der Beschleunigungsanlage insgesamt sechs neue Elemente, die Eingang in das Periodensystem gefunden haben, zu entdecken bzw. zu erzeugen. Dafür beschleunigen sie Ionen auf hohe Geschwindigkeiten und schießen sie auf Atome in einer Materialprobe. Dabei verschmelzen zwei Atomkerne miteinander zu einem neuen schweren Element, das nach Bruchteilen von Sekunden in ein stabiles Element zerfällt. Eines der sechs neuen Elemente ist das „Darmstadtium“ mit der Ordnungszahl 110.


    Anhang 39Die Teilnehmer staunten nicht schlecht, von dem geplanten Großprojekt FAIR (Facility for Antiproton an Ion Research) berichtet wurde. Die GSI plant zusammen mit Physikern aus aller Welt das neue Beschleunigerzentrum FAIR für die Forschung mit Antiprotonen- und Ionenstrahlen. Damit wird eine der größten Beschleunigeranlagen der Welt errichtet. Das Herzstück dieser neuen Anlage wird ein großer Doppelringbeschleuniger mit 1.100 Metern Umfang sein. FAIR wird von vielen hundert Forschern weltweit geplant und in Kooperation von voraussichtlich 16 Ländern in einer Bauzeit von 8 Jahren gemeinsam gebaut und betrieben. Gut 3.000 wissenschaftliche Nutzer weltweit werden dann auf dieser Anlage forschen.
    Anhang 40
    Dies ist bei Weitem nicht alles, was mit Forschungsgeldern realisiert wird. Die wichtigste Ressource, die Deutschland hat, sind nicht Bodenschätze sondern die Bildung und die fachliche Qualifikation der Menschen. Ein gutes Beispiel hierfür bietet die GSI. Mit rund 1050 Mitarbeitern sowie 1200 Wissenschaftlern von Hochschulen und anderen Forschungszentren weltweit, trägt die GSI wesentlich dazu bei, wissenschaftlichen Nachwuchs bzw. qualifizierte Fachkräfte - bisher 200 Doktoranden und Diplomanden - auf den Markt zu bringen. Dies ist, neben der unbedingt weiter voranzutreibenden betrieblichen Aus- und Weiterbildung höchst wichtig für den Standort Deutschland.

    Die Teilnehmer stimmten hinterher alle überein, dass dies ein höchst spannender und informativer Abend war, in welchem sie der Faszination Physik erlagen. Ihnen wurde bewusst, dass die Menschen ihre Existenz der Elementsynthese in den Sternen verdanken und dass jedes Atom unseres Körpers letztlich aus Sternenstaub stammt.


    S.E.
    Kommentare 1 Kommentar
    1. Avatar von Kein Schaf
      Kein Schaf -
      Sehr interessanter Artikel