• Neulich im Supermarkt

    Kennst Du das auch? Du möchtest nur mal schnell etwas einkaufen….

    Ich habe wenig Zeit, habe Hunger, muss auf die Toilette und habe noch einen Termin, brauche aber noch dringend ein paar Lebensmittel, die ich mir schnell im Supermarkt, der auf meinem Heimweg liegt, kaufen möchte.
    Schnell betrete ich den Supermarkt und schnappe mir einen der Einkaufskörbe, die hoch gestapelt am Kopfende der Kassen liegen. Auf einen Einkaufswagen verzichte ich - für die paar Kleinigkeiten brauche ich diesen nicht, denke ich mir. Gehetzt und ein wenig kopflos laufe ich mit meinem Plastikkorb kreuz und quer durch den Laden und greife hier und da in die Regale, um meine Einkaufsliste abzuarbeiten.

    Da ich großen Hunger habe, stelle ich mir an der Salatbar erst mal einen Salat zusammen. Sie haben heute den leckeren Artischockensalat mit Tomaten, den ich für mein Leben gern esse. Weiter geht’s. Immer mehr Dinge, die ich auch noch gebrauchen könnte, landen in meinem Einkaufskorb, der sich schon stattlich gefüllt hat. Planlos laufe ich die langen Gänge hoch und runter, da ich gedanklich schon bei meinem nächsten Termin bin und mich nicht wirklich konzentrieren kann. Mir kommt in den Sinn, was Petra, eine liebe Freundin, einmal sagte: „Wenn Du es eilig hast, dann gehe langsam“. Wie recht sie hatte. Am Kaffeeröster-Stand werde ich ausgebremst. Die haben die Themenwoche „Homewear“ und die Kuschel-Hausanzüge sehen doch recht verführerisch aus. Nicht, dass ich keine hätte, aber in so schönen Farben…. Ich stelle meinen Korb ab und sehe mir erst einmal in Ruhe die gesamte Auslage an. Die rosasamtigen Schlafbrillen sehen auch nicht schlecht aus. Wofür braucht man die eigentlich, frage ich mich. Da es mir nicht einfällt, lege ich sie wieder zurück. Plötzlich zucke ich innerlich zusammen, sehe auf meine Uhr. Hilfe. Ich muss doch weg. Schnell greife ich nach meinem Plastikkorb, der mittlerweile doch recht schwer geworden ist. Hätte ich besser doch einen Einkaufswagen genommen, ärgere ich mich. Es ist aber auch jedes Mal das gleiche. Am Kühlregal hole ich noch ein paar Dinge und begebe mich dann zügig mit meinem mittlerweile bleischweren Einkaufskorb zu den Kassen. Als ich am letzten Regal abbiege, sehe ich schon eine lange Schlange an der Kasse stehen. Das gibt’s doch nicht, denke ich mir. Nur eine Kasse auf. Ich verlangsame meine Schritte, trotte missmutig auf das Schlangenende zu und stelle meinen Korb ab. Dann sehe ich mich hilfesuchend im Laden um, ob nicht irgendwo noch eine weitere Kassiererin zu sehen ist, die Erbarmen zeigt und eine zweite Kasse aufmacht. Weit und breit ist aber niemand zu sehen.

    Also ist jetzt Warten angesagt, hilft ja nichts. Hätte ich doch bloß nicht so viel Zeit am Kaffeeröster-Stand vertrödelt, geht mir durch den Sinn. Im Schneckentempo bewegt sich die Schlange vorwärts. Es ist warm und stickig. Ich gucke auf die Uhr. Schon viel zu spät. Hinter mir stellt sich eine Gruppe ausländischer Jugendlicher an, die sich lautstark unterhalten. Ihr Testosteron-gesteuertes Verhalten zieht die Aufmerksamkeit aller Kunden auf sich. Das hat mir gerade noch gefehlt, denke ich mir. Wie unsichtbare Dolche spüre ich ihre Blicke in meinem Rücken. Ihr Sprechen hört sich aggressiv an. Viel zu laut und sie kommen mir auch viel zu nahe. Ich fühle mich unwohl. Warum in aller Welt macht denn keine zweite Kasse auf?

    Als ich schließlich nach einer halben Ewigkeit endlich meine Einkaufswaren auf das Band und den Korb auf den Stapel der anderen Körbe legen kann, sehe ich aus den Augenwinkeln, dass eine Kassiererin mit ihrer Geldkassette schnurstracks in Richtung der Nachbarkasse eilt. Na super, hätte ihr das nicht auch ein paar Sekunden früher einfallen können? Die Jugendlichen hinter mir ergreifen die Gelegenheit und begeben sich zur anderen Kasse. Das finde ich wiederum gut. Ein paar weiter hinten stehende Kunden tun es ihnen gleich. Nun habe ich nur noch zwei Leute vor mir. Ein Ende ist abzusehen. Siedend heiß fällt mir jetzt ein, dass ich die Sahne vergessen habe. Zorn breitet sich in mir aus. Mir wird noch heißer. Jetzt nochmal zurück gehen, wo schon alles auf dem Band liegt? Und den Platz an zweiter Stelle aufgeben? Nein, denke ich mir, dann hole ich die Sahne eben morgen.
    Kommentare 1 Kommentar
    1. Avatar von Kein Schaf
      Kein Schaf -
      Ja ja, so ist das Leben und darum kennen wir das wohl alle nur zu gut