• Kennst Du Schopenhauer?

    Leider wird Arthur Schopenhauer, geboren am 22. Februar 1788 in Danzig und gestorben am 9. September 1860 in Frankfurt am Main, (oftmals nicht ganz zu Unrecht) von vielen als ewiger Pessimist dargestellt und auch ein wenig abgetan oder herabgewürdigt. Als kauziger und gefrusteter Einzelgänger gilt er, der als ewig motzender Eremit sein Dasein mit Hund und Haushälterin und einem geregelten Tagesablauf fristete.
    Daher möchte ich hier eine Lanze für Arthur Schopenhauer brechen. Und das sogar als Frau. Wo er doch gerade nicht als der große Frauenversteher in die Geschichte eingegangen ist. Trotzdem. Ich mag Schopenhauer.

    Ich mag ihn, weil mir seine klare Sprache gefällt. Weil er nicht verschwurbelt um den heißen Brei herum redet, sondern einfach sagt was ist. Und meist sagt er Dinge, die die Menschen nicht hören wollen oder die ihnen unangenehm sind. Glaube ich zumindest. Solche Dinge wie diese hier:

    „Es ist wirklich unglaublich, wie nichtssagend und bedeutungsleer, von außen gesehen, und wie dumpf und besinnungslos, von innen empfunden, das Leben der allermeisten Menschen dahinfließt. Es ist ein mattes Sehnen und Quälen, ein träumerisches Taumeln durch die vier Lebensalter hindurch zum Tode unter Begleitung einer Reihe trivialer Gedanken.“

    Wer möchte schon gerne von sich selbst denken, er habe „triviale Gedanken“ und stuft sein eigenes Leben als nichtssagend und bedeutungsleer ein?

    Schopenhauer stößt die Menschen durch solche Aussagen von ihrem hohen Ross. Manchmal sicher auch zu Unrecht. Aber ist es denn nicht so? Viele Fragen, die die Menschen beschäftigen, sind doch eher oberflächlicher Natur. Natürlich sind diese für jeden Einzelnen schon wichtig, aber – von einer höheren Perspektive betrachtet – sind sie unerheblich. Unerheblich für das große Ganze. Wobei sich hier wieder die Frage stellt, was dieses „große Ganze“ eigentlich sein soll.

    Schön ist auch, wie er sich schon zu seiner Zeit über die damaligen „Journalisten“ und deren Ergüsse und Sprache echauffierte: „Jeder tintenklexende Lohnbube ist Herr und Meister über die Sprache, modelt und macht sie nach seiner Grille und seinem Halbthierbelieben.“ Es fehle an „Pietät“ gegenüber der deutschen Sprache. Sie müsse dringendst in Schutz genommen werden, beklagte er sich. Was würde er wohl heute sagen in Bezug auf den Neusprech, der immer mehr Einzug in unsere Sprache hält? Zum Verbot von Worten oder der Genderung der Sprache? Ich finde, Schopenhauer spricht – im Gegensatz zu manch anderen Philosophen – sehr klar und verständlich. Sinngemäß sagte Schopenhauer, dass, wer nicht klar spreche auch nicht klar denken könne.

    Was ich an Arthur Schopenhauer sehr sympathisch finde, ist, dass ein wesentlicher Begriff in seiner Ethik das Mitleid ist. Das Mitleiden mit anderen Lebewesen. Der Mitleidende erkenne intuitiv im Leidenden sich selbst, sein eigenes Wesen. Mitleiden bedeutet für Schopenhauer aber weit mehr, als nur ein subjektives Mitempfinden mit dem Leid Anderer. Für ihn ist es ein „Gewahr werden, dass unser wahres Selbst nicht bloß in der eigenen Person, dieser einzelnen Erscheinung da ist, sondern in Allem was lebt.“ Schopenhauer war besonders tierlieb und übte scharfe Kritik an der Rechtlosigkeit der Tiere. Für ihn war das Tier im Wesentlichen das Selbe wie der Mensch. Schopenhauer besaß im Laufe seines Lebens mehrere Pudel, an denen er sehr hing. Wenn sein Pudel etwas „Garstiges“ tat und er sich über ihn ärgerte, schimpfte er ihn: „Pfui, du bist kein Hund, sondern ein Mensch“. Schopenhauer machte keinen Hehl daraus, dass er Hunde für moralisch höher stehend als Menschen betrachtete.

    Schopenhauers Glück und Vorrecht war es, durch das Erbe seines Vaters Heinrich Floris Schopenhauer, der ein wohlhabender Kaufmann war, sein Leben in völliger Unabhängigkeit zubringen zu können. Daher war es ihm auch möglich, dem Universitätsbetrieb in Berlin (1820) nach kurzer Zeit den Rücken zu kehren. Er sah sich nicht als „Instrument der Regierung“ und schrieb in einer Notiz 1842: „In die Zeit zwischen Kant und mir fällt keine Philosophie, sondern bloße „Universitätsscharlatanerie“. Diese Notiz richtete sich wohl hauptsächlich gegen Fichte, Schelling und Hegel.

    Schopenhauer war enttäuscht, dass zu diesem Zeitpunkt von seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ noch Keiner Notiz genommen hatte. Überhaupt kam er erst zu spätem Ruhm, was ihn zeitlebens frustrierte. Nach seiner Meinung hatte er der Welt mit „Die Welt als Wille und Vorstellung“ ein „unsterbliches Werk“ geschenkt.

    Seine erste öffentliche Anerkennung erfuhr Schopenhauer 1839, als er den ersten Preis für seine Abhandlung „Über die Freiheit des menschlichen Willens“, von der Königlich Norwegischen Sozietät verliehen bekam. Für ihn ist der Wille des Menschen – wie alles in der Natur – dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterworfen und durch seinen empirischen Charakter gegeben, der von Geburt an festgelegt ist. So gesehen glaubte Schopenhauer nicht an einen „freien Willen“ – jedoch an eine Handlungsfreiheit. Dies deckt sich auch mit den Erkenntnissen der Hirnforschung. „Der Mensch kann zwar tun was er will, aber er kann nicht wollen was er will!“

    Aufgrund einer Choleraepidemie verließ Schopenhauer schließlich Berlin und ließ sich in Frankfurt am Main nieder. Dort verbrachte er die letzten 27 Jahre seines Lebens.

    S.E.
    Kommentare 1 Kommentar
    1. Avatar von Kein Schaf
      Kein Schaf -
      „Der Mensch kann zwar tun was er will, aber er kann nicht wollen was er will!“