• Ja, ich will! Oder doch nicht? Gibt es einen freien Willen?

    Standest Du auch schon einmal vor einer elementaren Entscheidung zwischen zwei Optionen und hast hin- und her überlegt und wusstest eine lange Zeit nicht, wie Du Dich entscheiden solltest? Und hast Dich schließlich für eine Möglichkeit entschieden? Hast Du Dich gefragt, wie es kam, dass Du Dich für den einen und nicht den anderen Weg entschieden hast? Warst Du Dir zu diesem Zeitpunkt sicher, dass Du selbst –also Dein ICH - in diesem Moment diese Entscheidung getroffen hat?
    All diese Fragen bewegen mich schon eine lange Zeit. Immer wieder stand ich in meinem Leben vor Entscheidungen. Vor Großen und vor Kleinen. Und zeitlebens war ich mir meiner Sache nicht oder kaum jemals ganz sicher. Aber doch entschied ich mich und ging meinen Weg. Manchmal war dies im Nachhinein gesehen nicht der „richtige“ Weg oder er stellte sich als schwierig heraus und versprach nicht das zu werden, was ich mir eigentlich erhoffte. Dann stellte ich mir die Frage, ob ich zum damaligen Zeitpunkt des Entschlusses nicht auch hätte anders entscheiden können. Kennst Du das auch?

    Rückblickend kam ich aber immer wieder zu dem Ergebnis, dass ich zum damaligen Zeitpunkt meiner Entscheidung – unter Zugrundelegung aller Optionen und Erkenntnisse sowie Erfahrungen – nicht anders konnte, als eben genau so und nicht anders zu entscheiden. Ich konnte mir keinen Vorwurf machen und mich auch nicht rühmen. Mir war es einfach nicht möglich, willentlich anders zu entscheiden, obgleich ich die Handlungsfreiheit und Wahl zwischen zwei oder mehr Möglichkeiten durchaus hatte. Ich entschied mich für eine Option. Dieses Gefühl, nicht anders entscheiden zu können, brachte mich auf den Gedanken, dass ich ja in gewisser Weise gar nicht „frei“ war in meiner Entscheidung. Durch irgendwelche Verknüpfungen in mir war ich auf eine Art gezwungen, mich in diesem besagten Augenblick so und nicht anders zu entscheiden.

    Es heißt doch immer, der Mensch habe einen freien Willen. Es wird gesagt, der Mensch sei frei, alles zu tun, was er möchte. Gutes und Schlechtes. Und wenn ein Mensch nicht frei in seiner Entscheidung wäre, dann wäre er ja auch nicht verantwortlich zu machen und dürfte also auch nicht bestraft werden. Wenn dem so ist, also dass man immer frei entscheiden könnte, dann hätte ich mich doch durchaus zum damaligen Zeitpunkt auch anders entscheiden können. Aber dies war mir nicht möglich. Ich entschied mich für eine Möglichkeit und nicht für die Andere. Warum? Ist der Wille also doch nicht so frei? Diese Fragen ließen mir keine Ruhe und so begann ich, mich mit diesem Thema näher zu beschäftigen.

    Die Hirnforschung sowie die Philosophie geben hier Antworten. Sie sagen übereinstimmend, dass es einen freien Willen in dem Sinne gar nicht gibt und dass man zwischen einer Handlungs- und Willensfreiheit unterscheiden muss.

    Arthur Schopenhauer, den ich sehr schätze, sagt hierzu Folgendes: „Der Mensch kann zwar tun was er will, aber er kann nicht wollen was er will!“

    Damit hatte A. Schopenhauer schon lange vor den messbaren Erkenntnissen der Hirnforschung erkannt, dass es eine Willensfreiheit nicht gibt. Aber nicht nur er. Auch Baruch de Spinoza glaubte nicht an einen freien Willen. Er sagte: „Wer also glaubt, dass er nach freiem Entschluss des Geistes rede oder schweige oder irgendetwas tue, der träumt mit offenen Augen.“

    Meine Beobachtung ist, dass viele Menschen gerne an die Willensfreiheit glauben möchten.
    Der Göttinger Physiker Georg Christoph Lichtenberg brachte es gut auf den Punkt: “Ein Meisterstück der Schöpfung ist der Mensch auch schon deswegen, dass er bei allem Determinismus glaubt, er agiere als freies Wesen“.