• Deutsche Dichter

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    Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875 in Prag, Österreich-Ungarn; † 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz; eigentlich: René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke) war Lyriker deutscher Sprache. Mit seiner in den Neuen Gedichten vollendeten, von der bildenden Kunst beeinflussten Dinglyrik gilt er als einer der bedeutendsten Dichter der literarischen Moderne.
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    Geistererscheinung
    Im Anfange des Herbstes 1809 verbreitete sich in der Gegend von Schlan (einem Städtchen vier Meilen von Prag auf der Straße nach Sachsen) das Gerücht einer Geistererscheinung, die ein Bauernknabe aus Stredokluk (einem Dorfe auf dem halben Wege von Schlan nach Prag) gehabt habe. Dies Gerücht ward endlich so allgemein und so laut, daß endlich ein Hochlöbl.
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    An Wilhelmine
    Nicht aus des Herzens bloßem Wunsche keimt Des Glückes schöne Götterpflanze auf.
    Der Mensch soll mit der Mühe Pflugschar sich Des Schicksals harten Boden öffnen, soll
    Des Glückes Erntetag sich selbst bereiten Und Taten in die offnen Furchen streun.
    Er soll des Glückes heil'gen Tempel sich Nicht mit Hermeos' Caduceus öffnen,
    Nicht wie ein Nabob seinen trägen Arm Nach der Erfüllung jedes Wunsches strecken.
    Er soll mit etwas den Genuß erkaufen, Wär's auch mit des Genusses Sehnsucht nur.

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    An meine Mutter I

    Ich bin's gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen, Mein Sinn ist auch ein bißchen starr und zähe;
    Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe, Ich würde nicht die Augen niederschlagen.
    Doch, liebe Mutter, offen will ich's sagen: Wie mächtig auch mein stolzer Mut sich blähe,
    In deiner selig süßen, trauten Nähe Ergreift mich oft ein demutvolles Zagen.
    Ist es dein Geist, der heimlich mich bezwinget, Dein hoher Geist, der alles kühn durchdringet, Und blitzend sich zum Himmelslichte schwinget?
    Quält mich Erinnerung, daß ich verübet So manche Tat, die dir das Herz betrübet? Das schöne Herz, das mich so sehr geliebet?
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